Das Inventarisierungsprojekt

Ein Beitrag zur Erhaltung und Nutzbarmachung des schwedischen Kulturerbes im ehemaligen Schwedisch-Pommern

Der Forschungsstand zur Kultur in der ehemaligen schwedischen Provinz Pommern ist recht lückenhaft. Es gibt zwar diverse bauhistorische Inventare und zeitgeschichtliche Untersuchungen, doch mangelt es an einer umfassenden Inventarisierung dieses kulturgeschichtlichen Erbes und seiner Einbettung in den historischen Rahmen. In vielen Fällen ist bislang weder eine genaue zeitliche Einordnung vorgenommen noch der Bezug zu Ereignissen und Persönlichkeiten der Zeit hergestellt worden. Doch nur mit der Kenntnis der Denkmale und dem Wissen um ihre Geschichte kann auch deren angemessene Erhaltung und Nutzung gesichert werden.

Der Förderverein „Schwedisches Kulturerbe in Pommern“ e.V. verfolgt daher die Aufgabe, eine umfassende, interdisziplinär fundierte Inventarisierung des erhaltenen baulichen und kulturgeschichtlichen Erbes der Schwedenzeit vorzunehmen. Erfasst werden sollen Siedlungsbereiche, bauliche Anlagen, Gartenanlagen, Boden- und Flur(be)funde, bewegliches Gut sowie auch regionale Strukturen, wie beispielsweise im Fortifikationswesen.

Das Projekt beinhaltet die Erfassung und Beschreibung der Objekte, die Darstellung ihrer Bedeutung und damit ihres Denkmalwerts, die Beleuchtung des historischen Kontextes, die Beziehung zu historischen Persönlichkeiten sowie Bemerkungen zum Erhaltungszustand und zu touristischen Potenzialen.

Nachvollziehbar sollen Bau- und Kulturgeschichte, Ereignis und Regionalgeschichte miteinander verknüpft werden.

Es sind mehrere Inventarisierungskampagnen zu organisieren, die sich an den aktuellen Landkreisgrenzen orientieren sollen. Die als Zeugnisse der Schwedenzeit bisher oft unbekannten Objekte sollen erfasst und in repräsentativer Anzahl mit Text- und Bilddokumentation eingehend beschrieben werden. Einschließlich der Vor- und Nacharbeiten, u.a. Auswertung historischer Karten und Archivarbeit, lassen sich für die einzelnen Kampagnen jeweils mindestens sechs bis acht Monate veranschlagen.

Für die Durchführung der Inventarisierung will der Förderverein in Fragen der Denkmalerhaltung kundige Fachleute aus dem Kreis der Historiker, Kunsthistoriker, Archäologen, Stadtplaner, Architekten und Landschaftsarchitekten gewinnen. Ebenso willkommen sind kundige „Laien“, die z.B. als Bauherren Erfahrungen mit kulturell bedeutsamem Erbe sammeln konnten.

Am 3. März 2007 wurde in einem Testlauf der Entwurf des Erfassungsschemas an drei Objekten - dem Ortskern Karlsburg, dem Museum Wolgast und der Schanze Sauzin - erprobt.

Zu allen drei Objekten konnten neue Erkenntnisse gewonnen werden. Stellvertretend sei das Museumsgebäude Rathausplatz 6 in Wolgast mit seiner auffälligen Dachform genannt. Bei dem Dach der so genannten „Kaffeemühle“ handelt es sich um ein Säteridach, eine in Pommern sehr seltene schwedische Bauform. Das Säteridach wurde jedoch nicht in schwedischer, sondern in einheimischer Konstruktionsweise errichtet. Ein baugeschichtlicher Zusammenhang könnte mit dem in ähnlicher Weise konstruierten Dach des Schlosses des Grafen Rehnskiöld in Griebenow bestehen.

Auf der ersten Arbeitstagung zur Inventarisierung am 27. Und 28. April 2007, die der Förderverein gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern und dem Historischen Institut der Universität Greifswald ausrichtete, wurden die praktischen Zielsetzungen der Inventarisierung präzisiert.

Die Forschungsergebnisse sollen nach Abschluss der Einzelkampagnen aufgearbeitet und den beteiligten Denkmalschutzbehörden sowie in einer Publikationsreihe der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.

Will man die schwedische Vergangenheit erlebbar machen, spielen die gegenständlichen Bestandteile des Kulturerbes eine wesentliche Rolle als Dokumentation der Anwesenheit und des Wirkens der Schweden in unserer Region – von herrschaftlichen Gebäuden bis hin zu künstlerischen Ausstattungen.

Die Sichtbarmachung dieser kulturellen Wurzeln ist geeignet, das Image der Region zu bereichern und die Identifikation mit der Region zu stärken. Darüber hinaus sollte die gemeinsame Geschichte zur Verbundenheit mit den Nachbarländern Schweden und Polen beitragen.

Sicher mögen die persönlichen Gründe, sich aktiv für das schwedische Kulturerbe einzusetzen, vielfältig sein. Wir möchten mit diesem Projekt dazu motivieren.
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