Die barocken Prunksarkophage im Dom St. Nikolai Greifswald

»Aber einn guter Nahme bleibet ewiglich«!? - Kulturerbe in Gefahr

Im Dom St. Nikolai sind acht prachtvolle Zinnsarkophage erhalten, die zwischen 1666 und 1723 entstanden. Diese Särge sind bedeutende Zeugnisse der Greifswalder Stadtgeschichte, der Zeit der schwedischen Großmacht sowie der adeligen Sepulchralkultur der frühen Neuzeit.

Zur Sepulchralkultur

Bis in das 19. Jahrhundert diente die St. Nikolai-Kirche als Begräbnisstätte. Wohlhabende Familien erwarben eigene Kapellen und ließen aufwändige Grabmäler herstellen, die in Schrift und Bild die Frömmigkeit, aber auch den sozialen Status der Verstorbenen und ihrer Familien thematisieren. Eine besondere Grabmalgattung stellen die Sarkophage dar. Diese bereits in der Antike übliche Form des Grabmals eigneten sich in Pommern zunächst die Herzöge an, die zwischen 1560 und 1632 sieben noch erhaltene Sarkophage anfertigen ließen (Wolgast, St. Petri-Kirche). Auch der Adel ließ seine verstorbenen Angehörigen in Sarkophagen bestatten, die während der oft aufwändig gestalteten Leichenfeiern die geladenen Trauergäste beeindrucken sollten.

Zur kunsthistorischen Bedeutung

Die älteren Sarkophage aus der Kapelle V und die des Burchard Müller v. der Lühne und seiner Gemahlin sind relativ zurückhaltend dekoriert. Die beiden Sarkophage ihrer Söhne hingegen sind in ihrer barocken Pracht mit dem Sarkophag des Großen Kurfürsten im Berliner Dom vergleichbar. In M-V zählen sie zweifellos zu den kostbarsten Zeugnissen der barocken Sepulchralkultur. Sie zeichnen sich durch einen ungewöhnlichen Aufwand an figürlichem und ornamentalem Schmuck aus. Hervorzuheben sind auch Textilreste der ursprünglichen Bespannung und reiches aufgelegtes gegossenes Ornament. Beachtenswert sind weiterhin die in Resten erhaltene partielle Vergoldung und Farbfassung der Einzelteile.

Grundriss des Doms St. Nikolai
Die im Text erwähnten Kapellen sind blau markiert.
 Grundriss des Doms St. Nikolai
Zeichnung: Jürgen Herold M. A., Arbeitsstelle Inschriften der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen am Historischen Institut der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald.

Zu den bestatteten Personen

Kapelle V beherbergte die Sarkophage von Joachim Rüdiger v. Owstin († 1698), seiner Frau Ursula Margarete v. der Osten sowie die seiner Tochter Margarete und seines Schwiegersohns Gustav Freiherr v. Winterfeldt († 1699). Joachim Rüdiger war Jurist und stieg 1680 zum Vizepräsidenten des Wismarer Tribunals auf. 1693 trat er in die Dienste des Herzogs von Württemberg.

Der Kommandant von Greifswald Burchard Müller v. der Lühne erwarb 1660 ein Erbbegräbnis (Kapelle VII). Der General, der 1659 die Stadt erfolgreich gegen den Großen Kurfürsten verteidigt hatte, ließ seine 1666 verstorbene Frau Ilsabe Maria v. Schmeling dort beisetzen. Er selbst wurde 1671 in der Gruft bestattet. Neben einem Stadtpalais (heute Lange Str. 60) besaß die Familie auch die Güter Ludwigsburg und Neetzow sowie später Mellenthin. Seine beiden Söhne fanden hier ebenfalls ihre letzte Ruhe. Carl Leonhard Müller v. der Lühne († 1707) wurde Kommandant von Stettin, Oberkommandant von Vorpommern und Stellvertreter des schwedisch-pommerschen Generalgouverneurs; der Deckel seines Sarkophags ist in Kapelle XXI ausgestellt. Jacob Heinrich († 1713) machte Karriere in der zivilen Verwaltung der Provinz, er war Amtshauptmann der Domänen von Rügen, Wolgast und Pudagla.

Die Bergung der Sarkophage im Februar 1987

Im Konzept für die Renovierung und Umgestaltung des Dominneren 1981–1989 war vorgesehen, die Funktion der Kapellen V und VII als Grablegen aufzugeben. Für die Bergung der darin befindlichen acht Sarkophage im Februar 1987 gab es keinen fachlichen Beistand. Die drei Tage dauernden Arbeiten waren wegen der räumlichen Enge und der fehlenden technischen Hilfsmittel außerordentlich schwierig. Ober- und Unterteile der Särge mussten einzeln herausgehoben bzw. erst voneinander getrennt werden. Nachdem sie in Kapelle XX aufgestellt worden waren, wurde zu ihrem Schutz eine hohe Bretterwand errichtet. Allerdings war so weder Forschungsarbeit möglich noch konnten die vielen abgebrochenen Einzelteile wieder zugeordnet werden. Im Januar 1989 wurden die Sarkophage in die Scheffel-Lembkesche Kapelle (XXI) transportiert, wo sie sich noch heute befinden. Die letzte fotografische Dokumentation der damaligen Auffindungssituation ist Günter Matheisen, Technicus und Handwerker am Dom 1986–1997, zu verdanken.

Der Förderverein Dom St. Nikolai und der Förderverein Schwedisches Kulturerbe in Pommern haben sich zum Ziel gesetzt, diese bedeutenden, stark gefährdeten Sarkophage zu retten. Bestandserfassung, Schadensanalyse und Konservierung sollen durch einen Metallrestaurator durchgeführt werden. In Zusammenarbeit mit der Domgemeinde und dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege wird ein Konzept zur Erhaltung und würdigen Präsentation der Sarkophage erarbeitet.

Mit Ihrer Spende können Sie unsere Bemühungen um die Rettung der Sarkophage unterstützen

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